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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

HAKOMI

| Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Die Therapeutin hat still abgewartet, bis ich von selbst bereit war, mich zu öffnen, und sie hat mir dabei das Gefühl vermittelt, daß sie mich ohne Einschränkungen bejahe. Ich habe schon eine lange Gesprächstherapie hinter mir, aber erst Hakomi hat es mir ermöglicht, über meine Schattenseiten zu sprechen. Ruhig hat die Therapeutin ihre Hand auf meinen Arm gelegt und mich aufgefordert, auch die kleinsten Körperregungen zu erspüren — so achtsam will ich auch in Zukunft mit mir umgehen.

 

vikas /Hakomi
Geschichte und Konzept

Hakomi gilt als besonders sanfte Form körperorientierter Psychotherapie. Erst 1980 stellte der amerikanische Psychologe Ron Kurtz (*1934) seine Methode unter dem Namen Hakomi vor. Das Wort ist der Sprache der Hopi-Indianer entlehnt und bedeutet sowohl »Wer bist du?« als auch »Der, der du bist«. Buddhistisches Gedankengut und das Prinzip der Gewaltlosigkeit spielen in dieser Therapie eine wesentliche Rolle.

Im deutschen Sprachraum arbeiten etwa 100 TherapeutInnen vorwiegend in freier Praxis mit dieser sich zunehmend verbreitenden Methode. Zu der zweijährigen Ausbildung werden nur Personen zugelassen, die bereits psychotherapeutisch tätig sind. Für Physiotherapeutlnnen dauert die Ausbildung drei Jahre. Sie wird von der amerikanischen Zentrale des Hakomi-Instituts sowie dessen Büro in Deutschland organisiert und mit einem Zertifikat abgeschlossen. Regelmäßige Fortbildung wird erwartet.

Therapeutischer Grundsatz ist die »innere  Achtsamkeit«,  ein  Konzept, das sich auf den buddhistischen Begriff des »sattipathana« stützt und Selbstreflexion und wache Aufmerksamkeit meint. In der buddhistischen Tradition erklären die Meister ihren Schülerinnen: »Dein innerer Zeuge bringt dich auf den Weg der Erleuchtung.« So ähnlich wollen Hakomi-Therapeutlnnen eine »beobachtende Instanz« in den KlientInnen stärken. Als sei sie eine neutrale Zeugin, soll diese innere Instanz das eigene Empfinden, die Überzeugung und die Haltung sowie das Handeln im aktuellen Augenblick betrachten. Diese sonst ungewohnte Wahrnehmung soll verdrängten Erinnerungen zum Durchbruch verhelfen und die Menschen befähigen, Zusammenhänge zu erkennen und ihr Handeln eigenverantwortlich zu verändern.

Kurtz greift auf die sechs Charaktertypen zurück, die Wilhelm Reich in der -> Vegetotherapie entworfen hat und schreibt ihnen bestimmte Körperhaltungen zu. So soll etwa der »orale Typ« schlaff, mit krummem Rücken und mit durchgedrückten Knien stehen, der »Psychopath« sich dagegen mächtig »aufgeblasen« halten.

 

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Therapieablauf

Hakomi wird meist in Einzelstunden, aber auch in der Gruppe durchgeführt. Gearbeitet wird bekleidet, überwiegend im Liegen auf der Matte.

Während des Gesprächs legen die TherapeutInnen ihre Hand auf bestimmte Körperregionen. Das erweckt Gefühle und Erinnerungen an die frühe Kindheit. Sie achten auf zarte Zeichen in Gestik, Haltung, Gesichtsausdruck und Stimmlage, die den KlientInnen gar nicht bewußt sind, in denen sich aber der unbewußte Widerstand gegen das   Auftauchen   verdrängter   Gefühle äußert. Hält jemand etwa die Schultern hochgezogen, so faßt der Therapeut ihn an den Schultern und zieht sie noch höher. Dadurch wird diese Haltung bewußt, und man kann sich in der Folge auch frei entscheiden, diese Haltung abzulegen. Die Muskeln müssen nicht länger als Abwehrpanzer das Gefühl unter Kontrolle halten, es wird zugänglich. Die TherapeutInnen stellen Fragen und leiten die KlientInnen auf den Weg der »inneren Achtsamkeit« und stehen ihnen bei der Erforschung ihrer inneren Welt zur Seite. Sie geben jedoch keine Ratschläge und wollen ihnen nichts aufzwingen.

 

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Anwendungsbereiche

Hakomi-Therapeutlnnen wollen mit ihrer Methode Selbsterkenntnis fördern sowie psychosomatische und leichte seelische Störungen behandeln. Psychosen und andere psychiatrische Krankheiten schließen sie aus der Behandlung aus. Eine Hakomi-Therapie dauert drei Monate bis zwei Jahre.

 

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Kritik

Die Einteilung in Charaktertypen nach bestimmten Körperkennzeichen ist willkürlich. Sie schränkt die Fähigkeit  der TherapeutInnen  ein,  darüber hinausgehende Zusammenhänge und Störungen zu erkennen.

Statt mit theoretischer Grundlagenarbeit  selbst  das  eigene  Therapiekonzept  auszubauen,   nimmt  Hakomi Anleihen  bei  verschiedenen  Ansätzen. Die Klammer bildet ein vager Begriff von »Ganzheit« aus der -> New-Age-Esoterik.

Qualifizierte Therapeutinnen können Menschen, die auf der Suche nach Selbsterkenntnis sind, über den Körper den Zugang zu sich selbst erleichtern. Bis jetzt fehlt jedoch der Nachweis, daß mit   Hakomi   allein   ernste   seelische Störungen wirksam  behandelt  werden könnten.

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008