federspiel2V I K A S
Psychotherapien
auf dem Prüfstand

BIORESONANZ-THERAPIE

| Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche | Kritik | Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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In der Zeitung hatte ich von der »elektronischen Homöopathie« gelesen -endlich eine Chance, mein Kind von seiner Neurodermitis zu befreien! Ich hielt es kaum noch aus, wenn sich die Kleine die juckende Haut aufkratzte, bis alles blutig war. Der Arzt stellte mit dem Bioresonanzapparat eine Milchunvertraglichkeit fest, verbot der Kleinen, Milch zu trinken und sogar, die Küche zu betreten, wenn, ich dort Milch aufkochte, Bei der Therapie mußte das Kind zwanzig Minuten lang die Griffe eines Geräts halten und dabei einfach ruhig sitzenbleiben. Nach einigen Behandlungen ist der Ausschlag wirklich zurückgegangen. In derselben Zeit hat meine Kleine eine Kindergruppe gefunden, in der sie sich sehr wohl fühlt. Seit ich gehört habe, daß Neurodermitis gar nichts mit Milchunverträglichkeit zu tun hat, kommen mir Zweifel: Was hat nun den Anstoß für die positive Entwicklung gegeben — die Behandlung oder der Spaß mit den Gleichaltrigen?

 

 

vikas / Bioresonanztherapie
Geschichte und Konzept

Die Grundlagen für die Bioresonanztherapie wurden 1977 von dem deutschen Arzt Franz Morell und dem Elektroingenieur Erich Rasche entwickelt. Mehrmals wurden die Gerätschaften und der Name der Therapie verändert: Sie ist auch als Mora-, Multicom-, Multiresonanz- und Kippschwingungstherapie oder als elektronische Homöopathie bekannt.

Das Gerät, mit dem diagnostiziert und behandelt wird, soll körpereigene elektromagnetische Schwingungen, die bei körperlichen und psychosomatischen Krankheiten entstehen, in therapeutisch wirksame Schwingungen umwandeln. Die krankhaften Schwingungen der PatientInnen werden - so heißt es - von dem Apparat aufgenommen, umgepolt und als heilende Schwingungen in den Körper zurückgesandt.

Manche Bioresonanzgeräte (Multicomtherapie) kombinieren, wie es heißt, verschiedene körperfremde Schwingungen. Es sollen »feinstoffliche« Informationen von Spurenelementen, von zwölf Metallen, dreiunddreißig Edelsteinen und verschiedenen Farben in den Körper geleitet werden. Zusätzlich wird mit einem Magnetfeld und einem Softlaser therapiert.

Mit den Schwingungen werden Krankheiten und seelische Störungen behandelt. Angeblich kann ihnen mit Bioresonanztherapie auch vorgebeugt werden. Außerdem werden mit dieser Methode auch Bioresonanztropfen hergestellt. Das sind Tropfen, die mit den Schwingungen eines Menschen präpariert werden und bei Beziehungsstörungen vom Partner oder der Partnerin eingenommen werden sollen.

Bioresonanztherapie wurde in den 90er Jahren zur Modebehandlung und hat eine weite Verbreitung unter HeilpraktikerInnen, aber auch unter ÄrztInnen gefunden. Eine spezielle Ausbildung gibt es nicht, die für die Anwendung erforderlichen Kenntnisse werden den Werbeschriften der Gerätehersteller entnommen.

 

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vikas / Biorseonanztherapie
Therapieablauf

Der Klient setzt sich bequem auf einen Sessel. Dann nimmt er zwei Elektroden in die Hände und stellt eventuell auch seine Füße auf zwei Elektroden, die durch Kabel mit dem Bioresonanzgerät verbunden sind. Bei manchen Bioresonanzgeräten ist nicht einmal dieser Kontakt notwendig, da - so heißt es - die Informationen über ein Magnetfeld übertragen werden.

Dann schaltet der Behandler das Gerät ein. Auf dem Display des Apparats sind verschiedene Zahlen oder Kurven zu erkennen. Eine Diagnosestellung ist nicht vorgesehen, denn das Gerät soll nach Meinung der Gerätehersteller automatisch jene Schwingungen herausfinden, die den Heilungsprozeß in Gang bringen. In Ruhe und entspannt sitzend, kann ihn der Klient abwarten. Die Kabel des Gerätes sind auch mit Waben verbunden, in die Fläschchen mit Gegenmitteln hineingestellt werden können. Die Schwingungen dieser Mittel sollen durch die Hand- und Fußelektroden ebenfalls auf den kranken Körper wirken.

Meist wird eine Serie von sechs bis zehn Behandlungen zu je zwanzig Minuten empfohlen.

Geht es darum, krankmachende Partnerkonflikte zu behandeln, werden Bioresonanztropfen verordnet.

 

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vikas / Bioresonanztherapie
Anwendungsbereiche

Bioresonanztherapie soll alle psychosomatischen Störungen und Krankheiten heilen können. Sie wird speziell gegen Allergien eingesetzt und dient der Behandlung von Schmerzen.

 

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vikas / Bioresonanztherapie
Kritik

Die Erklärung der Gerätewirkung ist spekulativ und irreführend.
Die von den Geräteherstellern verwendeten Begriffe, wie der »Separator«, der als ein »Molekularsaugkreis« wirken soll, oder die »sechsdimensionalen Hyperwellen«, täuschen Wissenschaftlichkeit vor, sind jedoch nichtssagend. Es ist technisch nicht möglich, wie behauptet,    »krankmachende«    Signale    mit umgepolten Schwingungen zu »löschen«. Die Funktionsweise der Geräte gilt denn auch als Firmengeheimnis. Es gibt Hinweise auf Beziehungen eines Geräteherstellers zu -> Scientology.

Bioresonanztherapie wird auch eingesetzt,  um  die  krankmachende Wirkung vermuteter Erdstrahlen abzuwehren. 
Bis jetzt fehlt jedoch sowohl ein Nachweis dafür, daß es überhaupt Erdstrahlen gibt, als auch dafür, daß durch sie  Krankheiten verursacht  werden (->Geopathie, ->  Radiästhesie).

Die  Vorstellung,  daß  Elemente und Kristalle elektromagnetische Felder erzeugen und auf diesem Weg heilend wirken, widerspricht der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Wohltuende Wirkungen der Therapie  beruhen  auf der Erwartungshaltung  der  Leidenden  (->  unspezifische Wirkfaktoren).
Eine seriöse Dokumentation der von den Anbietern angegebenen Heilerfolge fehlt. Zur Diagnosestellung sind Bioresonanz und verwandte Verfahren laut einer klinischen Überprüfung  nicht geeignet.  Sie können nicht als gezielte Behandlung seelischer Störungen und psychosomatischer Krankheiten gelten.

 

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vikas / Bioresonanztherapie
Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008