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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

MEDITATION

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Mit überkreuzten Beinen saß ich auf einem   Kissen,  die  Hände  ineinander gelegt:, und versuchte, den Schmerz in meinen Beinen zu verdrängen. Die Bilder und Gedanken, die immer wieder auftauchten, behinderten anfangs meine Entspannungsversuche. Mit der Zeit lernte ich aber, die Bilder vorbeiziehen zu lassen. Ich übte regelmäßig jeden Morgen. Bald merkte ich, wie gut mir diese Disziplin tat, und es gelang mir immer leichter, mich auf mein Inneres zu konzentrieren. Das Meditieren brachte mir Ruhe und wurde mir zur Gewohnheit. Als ich beruflich unter Zeitdruck geriet, riß die regelmäßige Übung leider ab.

 

 

vikas /Meditation
Geschichte und Konzept

Meditative Übungen der Versenkung und Betrachtung finden sich in jeder religiösen Tradition. Ob im Stehen oder im Sitzen durchgeführt, nach tagelangem Fasten, in schwierigen Körperpositionen - immer soll der ständige Fluß von Gedanken, Vorstellungen und Ambitionen unterbrochen und ein Zustand vollkommener innerer Ruhe herbeigeführt werden.

Die bekanntesten Meditationsformen haben ihren Ursprung im Osten: -> Yoga stammt aus dem Hinduismus, -> Zen aus der in Japan fortentwickelten Form des chinesischen Ch'an-Buddhismus. Doch auch die abendländisch­christliche Tradition kennt Anleitungen zu meditativer Einkehr: So enthalten beispielsweise die -> Exerzitien des Ignatius von Loyola (1491-1556), des Begründers des Jesuitenordens, ähnliche Gedanken und Ziele wie Yoga oder Zen.

Flower Power, Aussteigen aus der Industriegesellschaft und Eintauchen in exotische Kulturen war das Motto ab Mitte der 60er Jahre in den USA. Die Beatles suchten in Indien den Guru Maharishi Mahesh Yogi (*1911) auf. Schlagartig wurde er im Westen bekannt. Hand in Hand mit der Verbreitung indischer Meditationstechniken entwickelte sich die »alternative Psychoszene«. Maharishis Methode der -> Transzendentalen Meditation (TM) fand rasch AnhängerInnen und zog eine Unzahl an -> Psychokulten nach sich, die mit hinduistisch angehauchten Meditationspraktiken arbeiteten. Zu den bekanntesten der heute noch aktiven Gruppen zählen -> Ananda Marga und die -> Hare-Krishna-Bewegung, daneben die Organisationen um -> Baghwan Osho Rajneesh, um -> Shri Chinmoy und um -> Sathya Sai Baba. Maharishi selbst ist dabei, das Himmelreich auf Erden zu gründen. Zwar scheiterte seine Utopie 1990 in Sambia, doch seit 1994 versucht er, diese Idee in Mosambik zu verwirklichen.

Meditation im Stile des Zen-Buddhismus wurde im Westen in erster Linie durch die -> »Initiatische Therapie« Karlfried Graf Dürckheims bekannt. Meditieren wurde zum zentralen Bestandteil der transpersonalen und esoterisch-spirituellen Therapien, denen sie als Vorbereitung und Begleitung der auf überpersönliche Ziele ausgerichteten Arbeit dient.

Inzwischen haben meditative Elemente auch in wissenschaftlich begründete Therapieverfahren Eingang gefunden. Ohne ideologisch-religiösen Anspruch werden sie ganz pragmatisch zur Entspannung und Selbstversenkung eingesetzt, mit dem Ziel, Körper, Seele und Geist gesund zu erhalten. Meditation zählt heute zum Standardangebot an Volkshochschulen und Gesundheitszentren. Die LehrerInnen haben sich ihr Können meist selbst angeeignet, eigenständige Ausbildungsgänge gibt es nicht.

 

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Übungsablauf

Am bekanntesten ist die buddhistische Meditation des Za-Zen. Meditierende sitzen mit überkreuzten Beinen auf einem Kissen oder einem Meditationsschemel, die Hände ruhen ineinandergelegt im Schoß, wobei die Daumen einander berühren. Die Augen sind leicht geöffnet und auf einen Punkt am Boden in etwa einem Meter Entfernung gerichtet. Der Atem geht leicht und langsam. Aufsteigende Gedanken und Gefühle werden registriert, aber nicht weiter beachtet oder verfolgt. Sinn der Meditation ist »sitzen, um zu sitzen«. Gelegentlich wird auch empfohlen, den Fluß des eigenen Atems zu beobachten und ungeachtet gedanklicher Ablenkung immer wieder zur Beobachtung des Atems zurückzukehren. Man konzentriert sich auf einen Körperpunkt unterhalb des Bauchnabels.

Manche Meditationsformen bedienen sich der Betrachtung spezieller Bilder (Mandalas). In der buddhistischen Tradition werden bei geschlossenen Lidern bestimmte zweisilbige Worte (Mantras) oder beispielsweise die heilige Formel »Om Mani Padme Hum« ständig rezitiert oder gedacht.

Manche Meditierende konzentrieren sich auf eine flackernde Kerze, andere auf ein Gedicht, einen paradoxen Gedanken oder einen Psalm und versenken sich in die Betrachtung seines Inhalts. Gelegentlich werden auch Visualisierungen empfohlen, um in den Zustand des »No-Mind« zu gelangen: beispielsweise die Vorstellung, beim Einatmen   steige   ein   Lichtstrahl   die Wirbelsäule empor bis zum Scheitel und fließe beim Ausatmen über die Vorderseite des Körpers wieder nach unten.

Allen Meditationen gemeinsam ist der Rückzug von äußeren Sinneseindrücken. Im Verlauf der Meditation wird die Atmung von selbst tiefer und ruhiger, der Geist entspannt sich, konzentriert  sich.   Man  gelangt  in  einen wachen, überwachen Zustand und bekommt zugleich eine gewisse Distanz zu den Dingen.

Meditation entfaltet ihre Wirkung nur, wenn sie regelmäßig - möglichst morgens — für eine halbe Stunde durchgeführt wird.

Neben diesen Variationen der bewegungslosen Sitzmeditation gibt es eine Vielzahl »körperaktiver« Meditationformen.

Der indische Sektenguru -> Baghwan Osho Rajneesh hat über einhundert »dynamische« Meditationstechniken zusammengestellt, deren bekannteste die »Dynamic Meditation« ist. Sie soll morgens ausgeführt werden, dauert eine Stunde, gipfelt in Sprüngen, Stampfen und Schreien und klingt in Tanz aus. In vielen Therapiezentren zählt sie zum Standardprogramm.

Andere Schulen empfehlen Atemtechniken, kombiniert mit sanfter Körperbewegung, ähnlich dem traditionellen Qigong.

Meditieren lernen:

- Suchen  Sie sich  in jedem  Fall kompetente Anleitung durch erfahrene MeditationslehrerInnen oder TrainerInnen, ein Buch genügt nicht.
- Wählen   Sie   eine   bestimmte Meditationstechnik, und bleiben Sie für längere Zeit dabei.
- Üben Sie immer zur selben Zeit und möglichst am selben Ort.
- Überfordern    Sie   sich    nicht. Meditation ist kein Leistungssport. Sie braucht Ausdauer und Geduld.
- Keine fragwürdigen Ekstasetechniken  anwenden,  keiner Sucht  nach »Spiritualisierung« nachgeben.


- Achten Sie auf das Verhalten des »Meisters«. Verlassen Sie seine Gruppe, wenn es ihm an Einfühlungsvermögen mangelt und er blind für die Nöte der Übenden ist oder wenn er offensichtlich ein Sektenmilieu schafft, in dem alle Gruppenmitglieder ausschließlich auf  ihn  ausgerichtet  sind.   Pseudo-Gurus   erzeugen   Abhängigkeit   und Gruppendruck. Echte Vorbilder lehren ihre Schüler und  Schülerinnen, sich nicht beeinflussen zu lassen.

 

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Anwendungsbereiche

Meditation reguliert das vegetative Nervensystem. Sie dient der Entspannung und der seelischen Ausgeglichenheit und kann somit Streßerkrankungen vorbeugen, wie etwa Bluthochdruck.

Meditation wird angeboten als »Weg nach Innen«, um die Konzentration zu schulen, bei Antriebsschwäche die eigenen Kräfte zu stärken, die inneren Ressourcen aufzuschließen und die Gefühle im Gleichgewicht zu halten. Sie wird häufig eingesetzt, um Psychotherapien vorzubereiten.

Als Schlüssel zum »Inner Management« und als »seelisches Fitneßprogramm« wird sie neuerdings in verschiedene Managementtrainings einbezogen.

 

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Kritik

Sektiererische Gruppen setzen Meditation oftmals als Methode der Gehirnwäsche und Indoktrination ein.

In Deutschland gilt die Transzendentale Meditation (TM) als Jugendsekte. Die Anhänger von TM und der ihr zugeordneten  Naturpartei   behaupten, daß Meditierende fliegen könnten. Den Nachweis  sind  sie  bis  jetzt  schuldig geblieben. Auch ihre Werbung mit dem Argument, daß private Krankenkassen in den Niederlanden von Personen, die regelmäßig meditieren, geringere Versicherungsbeiträge   verlangen,   ist   irreführend.

Die durch Meditation erzielbaren körperlichen und seelisch-geistigen Entspannungseffekte sind unbestreitbar. Sie können Psychotherapie vorbereiten. Als Ersatz für Psychotherapie, wie von MeditationslehrerInnen oftmals behauptet, kann  Meditation  allerdings  nicht dienen.

 

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008