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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

YOGA

| Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Angefangen habe ich mit Yoga, weil ich abnehmen wollte. Als ich zwanzig Pfund leichter war, hatte für mich das Meditative der Übungen längst mehr Bedeutung als die rein körperliche Wirkung. Die Yoga-Übungen sind ein Teil meines Tagesablaufs geworden, täglich komme ich meinem Lebenszentruni näher.

 

 

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Geschichte und Konzept

Der Begriff Yoga stammt aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet soviel wie »Vereinigung«. Das deutsche Wort »Joch« geht auf dieselbe Sprachwurzel zurück. Grundanliegen des Yoga ist die »Rück-Bindung (religio) zum Göttlichen«. Der achtgliedrige Yoga-Pfad vereint verschiedene Traditionen des indischen und tibetischen Kulturraumes, die bis zu 6.000 Jahre zurückreichen.

Die beiden ersten Stufen dieses Selbsterfahrungstrainings regeln die Beziehung des Menschen zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen. Stufe drei und vier bestehen aus Körper- und Atemübungen (Hatha-Yoga). Die Stufen fünf bis acht sind Anleitungen zur Konzentration (Raja-Yoga) und inneren Versenkung (-> Meditation). Nach hinduistischer Auffassung sind die einzelnen Wege nicht voneinander zu trennen. Aus dem umfassenden spirituellen Anspruch herausgelöst, werden im Westen jedoch meist nur die Körper- und Atemübungen des Hatha-Yoga praktiziert.

Yoga kam erst in den 60er Jahren in den Westen. Wesentlichen Anteil an seiner raschen Verbreitung hatte die Subkultur der »Flower-Power-Generation« mit ihrer ausdrücklichen Hinwendung zur östlichen Philosophie, Religion und Lebensart. Die Kontakte der Beatles und anderer Rockgrößen zu indischen Gurus ließen Yoga in den USA und in Westeuropa zu einer Art Kultbewegung der frühen 70er werden. Bald gab es im deutschsprachigen Raum dutzende von Yoga-Zentren. Teilweise standen diese Zentren unter der Leitung seriöser indischer Yoga-Lehrer, teils wurden sie in unverantwortlicher Weise von selbsternannten »Yogis« aus dem Westen betrieben.

Ende der 70er ließ der Trend zum Yoga deutlich nach. In den heute noch bestehenden privaten Zentren werden neben den Körperübungen des Hatha-Yoga insbesondere auch die meditativen Inhalte des Raja-Yoga gepflegt. Einzelne Yoga-Übungen werden zur Entspannung in Therapiegruppen und Workshops eingesetzt. Daneben hat Yoga sich aber auch einen festen Platz im Gesundheitswesen erworben. In zahlreichen Rehabilitationskliniken ist Yoga fester Bestandteil der Behandlung psychosomatischer Störungen und Erkrankungen. Yoga findet sich auch im Programmangebot von Volkshochschulen.

Die Ausbildung der Yoga-LehrerInnen liegt in der Hand privater Einrichtungen. Sie dauert zwischen vier Wochen und fünf Jahren, das Niveau ist sehr unterschiedlich. Selbst Fernlehrgänge werden angeboten. Manche Yoga-LehrerInnen besuchen regelmäßig Aus-und Fortbildungskurse in indischen Yogazentren.

Stiftungsfachhochschule München bietet seit 1986 für SozialarbeiterInnen und PsychologInnen einen vierjährigen Lehrgang für Integriertes psychosomatisches Gesundheitstraining (IPSG) an, das in erster Linie auf Yoga beruht.

Yoga versteht sich als umfassendes Gesundheitsprogramm, das vorbeugend durchgeführt werden sollte. Seine Lehre geht davon aus, daß die meisten Krankheiten durch falsche Haltung, falsche Atmung und falsche Ernährung entstehen. Es werden daher drei Hauptpraktiken angewandt: Asanas (Körperstellungen), Pranayamas (Atemkontrolle) und Kriyas (innerliche Reinigungen). Diese Praktiken diszipliniert auszuüben soll zu körperlich-seelischer Gesundheit beitragen.

 

 

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Therapieablauf

Der Lotussitz ist die bekannteste der Hatha-Yoga-Stellungen, von denen über 300 beschrieben, aber im Westen nur 30 gebräuchlich sind.

Eine Yogastunde besteht aus einer genau festgelegten Reihe von Körperübungen, die die Yoga-LehrerInnen den TeilnehmerInnen vormachen. Langsam und konzentriert nehmen sie die verschiedenen Stellungen ein, wie zum Beispiel den Schulterstand, den Kopfstand oder die Rückendrehung im Sitzen mit überkreuzten Beinen, und sie verharren jeweils ein bis drei Minuten in dieser Haltung, auch wenn sie schmerzt. Sie konzentrieren sich auf das körperliche Empfinden und entspannen die Muskeln, die nicht an der Übung beteiligt sind. Obwohl sie den gesamten Körper dabei teilweise extrem dehnen, soll das Ganze nicht zu einer sportlichen Anstrengung ausarten. Es geht nicht etwa um Fitneßtraining, sondern darum, Körperbewußtsein zu entwickeln. YogalehrerInnen korrigieren die Haltung der Übenden jeweils durch behutsame Handgriffe.

Fortgeschrittene Yoga-Praktikerlnnen führen zudem Übungen durch, mit denen sie ihren Atem kontrollieren. Beispielsweise atmen sie sehr schnell ein, halten den Atem dann möglichst lange an, um anschließend langsam auszuatmen.

In Indien werden zur »Reinigung« Nase und Darm mit Wasser gespült, im Westen beschränkt man sich auf Übungen wie etwa rhythmisch den Magen ein- und hochzuziehen. Auch das Singen von Meditationslauten (Mantras), beispielsweise der Silbe »aum«, gilt als Teil der Reinigung. Um sich in sich selbst zu versenken, können sich die Übenden auch auf ein Bild konzentrieren oder auf Sinnesempfindungen, wie zum Beispiel die Wärme im Bauch.

Am Schluß der Stunde steht die Übung der Shabasana (Totenstellung), in der der Organismus völlig entspannt wird.

 

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Anwendungsbereiche

Yoga-Übungen können auf das vegetative Nervensystem wirken. So tragen sie dazu  bei,  daß  weniger  Streßhormone ausgeschüttet werden und sich der Körper entspannen kann. Da sie die Atemtechnik  verbessern,   können  Asthmakranke durch regelmäßiges Üben ihren Medikamentenverbrauch herabsetzen.

Yoga-Übungen,   regelmäßig  durchgeführt, eignen sich dazu, Krankheiten und psychosomatischen Störungen vorzubeugen und das Körperbewußtsein zu verbessern.

Als besonders wirksam wird Yoga bei nervösen und depressiven Störungen beschrieben. Hatha-Yoga beansprucht darüber hinaus, bei regelmäßiger Ausübung körperliche und seelische Probleme jeglicher Art zu beheben.

 

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Kritik

Yoga  sollte  nur  nach  ärztlicher Untersuchung begonnen werden. Übungen, bei denen der Kopf tiefer liegt als der Körper, können bei Bluthochdruck gefährlich sein. Übungen, bei denen der Atem gezielt verlangsamt wird, sollten von Menschen mit Stoffwechselproblemen vermieden werden.

Bei nicht sachgemäß durchgeführten Hatha-Yoga-Übungen können Muskeln,  Sehnen  und  Bänder  überdehnt werden  und  schwere  Schäden  an  der Wirbelsäule entstehen.

Bei den hyperventilierenden Atemübungen des Pranayama, bei denen hechelnd geatmet wird, können massive psychische Störungen auftreten ( -> Rebirthing), den meisten YogalehrerInnen mangelt es jedoch an der fachlichen Ausbildung, diese aufzufangen.

Yoga kann nicht aus Lehrbüchern oder über TV-Sendungen erlernt werden.

 

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008