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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

GESPRÄCHS-PSYCHOTHERAPIE nach ROGERS

| Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche | Kritik | Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Irgendwie war ich immer unglücklich und wußte nicht, wieso. Es war ganz eigenartig: Schon beim ersten Therapiegespräch hatte ich das Gefühl: Hier hört mir einer zu. Hier versteht endlich jemand, worum es mir geht. Und er macht mir Mut, meine Probleme selbst anzugehen. Das war neu für mich. Noch nie war jemand, so mit mir umgegangen. Irgendwie war ich immer unglücklich und wußte aber nicht, wieso. Der Therapeut hat mir geglaubt, er hat mich ernst genommen und zu mir gestanden. Und seither weiß ich, daß ich das brauche, daß ich mir selbst diese Bestätigung geben muß. Früher habe ich immer stillschweigend erwartet, daß die anderen sich um mich kümmern würden. Und dann war ich enttäuscht, weil sie es nicht taten. Warum nicht? Weil ich mich selbst nie ernst genommen hatte und nie sagte, daß ich Liebe und Zuwendung brauche!

 

 

vikas / Gesprächs-Psychotherapie nach Rogers
Geschichte und Konzept

Carl Ransom Rogers (1902-1987) ist der Begründer der Gesprächspsychotherapie. Er entstammt einer Bauunternehmerfamilie aus dem traditionell konservativ-religiös geprägten mittleren Westen der USA. Er war ein ruhiger, stiller Junge, der sich lieber mit Büchern als mit wilden Spielen beschäftigte. Seine Eltern machten ihre Kinder frühzeitig mit der Geschäftswelt vertraut. Rogers bekam die Aufsicht über den häuslichen Hühnerhof zugeteilt. Er verdiente sich sein Taschengeld, indem er die Eier, die seine Hühner legten, auch an die eigene Familie verkaufte. Zunächst begann er Landwirtschaft zu studieren, wechselte aber dann zu Theologie und Pädagogik und arbeitete nebenher in der Beratung von Studenten, Kindern und Straffälligen. Er war streng religiös erzogen worden, sein geistiger Hintergrund war die amerikanische protestantische Ethik, die den Menschen als vor Gott selbstverantwortlich sieht. Auch die fortschrittliche Pädagogik der 20er und 30er Jahre in Amerika, die ebenfalls auf Selbstverantwortlichkeit setzte, prägte Rogers. Die Psychologievorlesungen des in die USA eingewanderten österreichischen Psychoanalytikers -> Otto Rank (1884-1939) beeindruckten ihn sehr.

Er entwickelte nun eine eigene Art der Beratung und Psychotherapie, in der die Beziehung zum Patienten im Mittelpunkt des Geschehens stand. Er führte die Bezeichnung »Klient« in die Psychologie und Psychotherapie ein, weil er der Meinung war, daß jeder Mensch beratende und stützende Hilfe brauchen kann und deshalb noch lange kein abhängiger und passiv ertragender »Patient« sein muß.

Gesprächspsychotherapie    entstand aus der intensiven psychologischen Beobachtung der Gespräche im Therapieablauf. Rogers zeichnete Therapiegespräche häufig auf Tonband auf. Durch diese Dokumentation machte er Therapie in Haltung und Technik überprüfbar und leichter lehrbar. Die Vorgänge zwischen den beiden Gesprächsteilnehmerinnen (Interaktion), die »Worte zwischen den Zeilen«, werden bei der Auswertung der Aufzeichnungen besonders beachtet.

Rogers forschte lange Jahre auf diese Weise und konnte zeigen, daß die Wirkung einer Therapie nicht nur auf der speziellen therapeutischen Methode beruht, sondern vor allem von der Art des Kontaktes (Rapport) zwischen TherapeutInnen und KlientInnen abhängt (-> Wirkung von Psychotherapie).

Nach Rogers müssen drei Bedingungen erfüllt sein, damit Menschen sich selbst und die eigenen Verhaltensweisen optimal verstehen und konstruktive Veränderungen einleiten können. Ein ideales Gespräch sollte von Offenheit (Akzeptanz), Anteilnahme und nichturteilendem Verstehen (Empathie) und Echtheit (Kongruenz) gekennzeichnet sein. Rogers stellte fest, daß alle TherapeutInnen, gleich welchen theoretischen Hintergrund sie auch haben, bei ihren KlientInnen Erfolg bewirken, wenn sie eine entsprechende Einstellung zu ihnen gewinnen. Damit revolutionierte er alle bis dahin gängigen Vorstellungen, denen zufolge allein die spezifische Technik des Gespräches über einen Therapieerfolg entscheiden sollte

Für Rogers standen unbedingt und immer die KlientInnen im Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses. Rogers betonte besonders die aktuellen Erlebnisse und Erfahrungen, die KlientInnen im »Hier und Jetzt« der Therapiestunden machen. Solche aktuellen Prozesse waren für ihn viel bedeutsamer als die Persönlichkeitsstruktur oder unbewußte Vorgänge. Rogers vertraute darauf, daß jeder Mensch von Grund auf »positiv« dem Leben und der Umwelt zugewandt ist. Menschen sind wandelbar und können ihr Schicksal selbstverantwortlich in die eigenen Hände nehmen. Der Mensch befindet sich für Rogers von Geburt an in einem Wachstumsprozeß und besitzt die innere Kraft, sich zu vervollkommnen und ungeahnte kreative Fähigkeiten zu entfalten. Entscheidend dafür, daß Menschen ihre Möglichkeiten nutzen und sich entfalten, ist aber die Qualität ihrer Beziehungen zu den Mitmenschen.

Das Selbst

Das »Selbst« entsteht im Menschen durch Kontakt und Auseinandersetzung mit anderen. Nur ein Mensch mit intaktem Selbst kann »mit sich selbst eins sein« (Kongruenz). Positive Erfahrungen, die von Wertschätzung und Unterstützung durch andere begleitet sind, nehmen Menschen eher in ihr Selbsterleben auf als negative Erfahrungen, die von Kritik oder Ablehnung durch einen anderen begleitet sind. Diese lösen Verwirrung aus und das Gefühl, nicht »mit sich eins« zu sein (Inkongruenz).

Erleben

»Erleben« bedeutet, bewußt Erfahrungen zu machen und sie vor allem auch zu spüren. Wenn sich die KlientInnen in der Therapie ganz auf das Erleben ihrer Gefühle einlassen, werden ihnen dabei wichtige Zusammenhänge deutlich, die ihnen helfen, ihre Probleme zu verstehen. Wer sich von seinem Therapeuten oder seiner Therapeutin verstanden fühlt, spürt und erlebt dies auch körperlich als Lockerung, Lösung oder Entspannung.

Selbstkonzept

Alle Menschen haben bestimmte Vorstellungen davon, wie sie sind und wie sie sein möchten (Selbstkonzept). Es kann aber vorkommen, daß das, was sie erleben, nicht zu ihrem »Selbstkonzept« paßt. Dieses Phänomen nennt Rogers »Inkongruenz«. Wenn ein Klient oder eine Klientin beispielsweise von sich das Bild hat, immer tatendurstig und aktiv zu sein, und sich im Gespräch mit einem Mal hilflos und unsicher erlebt, liegt »Inkongruenz« vor. KlientInnen fühlen sich dann meistens irritiert und angespannt. Sie schwanken hin und her zwischen den Wünschen, entweder ihrem Selbstbild zu entsprechen oder ihren inneren Bedürfnissen nachzukommen. Inkongruenz kann deshalb Ängste auslösen. Sie kann die Betroffenen aber auch zum Nachdenken bringen und zu einer Änderung ihres Selbstbildes anregen.

Die Hamburger Psychologieprofessorinnen Reinhard (*1921) und Anne-Marie Tausch (1925-1983) führten die Gesprächspsychotherapie in den 60er Jahren in Deutschland ein und verankerten sie in der Ausbildung der Psychologiestudenten.

Die Gesprächspsychotherapie ist eine der am häufigsten untersuchten und wissenschaftlich kontrollierten Therapien überhaupt. Da sie eine wichtige Grundkompetenz im therapeutischen Umgang vermittelt, wird sie als Basisausbildung für Psychotherapie an vielen psychologischen Universitätsinstituten gelehrt. Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie hat in Deutschland etwa 8000 Mitglieder.

Die Ausbildung wird von anerkannten Ausbildern in regionalen Instituten geleitet. Seit 1994 gibt es auch eine Akademie der Gesellschaft in Köln. Es gibt verschiedene, genau strukturierte Ausbildungsgänge: Klientenzentrierte Psychotherapie (GT), Klientenzentrierte Gesprächsführung (GF), Personzentrierte pädagogische und psychologische Arbeit (PA) und Personzentrierte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen (KT) (-> Spieltherapie). Zur Ausbildung werden Absolventinnen der Studiengänge Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Theologie zugelassen. Therapeutische Berufspraxis gehört zu den Ausbildungsvoraussetzungen. Je nach Ausrichtung in Beratungs- oder Therapiebereich dauert die Ausbildung zwei bis fünf Jahre. Sie umfaßt eine ausführliche Grundausbildung und eine theoretische und praktische Zusatzausbildung sowie die eigene Einzeltherapie zur Selbsterfahrung.

Die -> klientzentrierte Spieltherapie und das -> Focusing entwickelten sich aus der Gesprächspsychotherapie.

 

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vikas / Gesprächs-Psychotherapie nach Rogers
Therapieablauf

Der Therapeut oder die Therapeutin geleiten den Klienten oder die Klientin ins Behandlungszimmer. Angenehm wirkt es, man fühlt sich aufgehoben und sicher. Man sitzt einander schräg gegenüber. Die Atmosphäre ist offen, die einleitenden Fragen zielen auf das, was einen bedrückt und hergeführt hat. Die KlientInnen stehen ganz im Zentrum, haben viel Zeit und Raum, um zu sprechen. Die TherapeutInnen versuchen, sich gemeinsam mit den KlientInnen dem Problem zu nähern, es zu beschreiben und die dazugehörigen Gefühle herauszufinden, die das Problem auslösen oder durch es angerührt werden. Die TherapeutInnen ermuntern ihre KlientInnen, sich offen und frei auszudrücken und dabei alle ihre Gefühle, Gedanken und Empfindungen und deren Bedeutung für das eigene Erleben zu benennen.

Mit dieser speziellen Haltung unterstützen Gesprächspsychotherapeutlnnen ihre KlientInnen darin, allem Aufmerksamkeit zu schenken, was sie aktuell beschäftigt. Alles, was ist, ist auch wichtig. Diese Einstellung hilft den KlientInnen, sich ernst zu nehmen, für ihre Gefühle und Probleme Worte zu finden und die inneren »Ungereimtheiten« (Inkongruenzen) zu erkennen. Durch diese Selbsterkundung wird es den KlientInnen allmählich möglich, ihre Gefühle zu akzeptieren und zu vertiefen. Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und ihr Leben. Sie lernen, es mehr und mehr aktiv und selbstbewußt zu gestalten.

KlientInnen brauchen nach Rogers zu ihrer Selbstentfaltung die besondere Hilfe ihrer TherapeutInnen. Die wichtigste Grundbedingung ist, daß die TherapeutInnen »echt« und »kongruent« sein sollten. Das bedeutet, daß sie mit sich eins sind, als Person mit den eigenen Gefühlen spürbar sind und vor ihren KlienIinnen keine Fassade aufbauen. Gute Gesprächspsychotherapeutlnnen scheuen sich auch nicht, den KlientInnen ihre eigenen Gefühle zu beschreiben, wenn das der gemeinsamen Arbeit weiterhelfen kann. Das gilt als allgemeine Erfahrung auch für den Alltag: Unsichere Menschen können beispielsweise über ihre Schüchternheit hinwegkommen, wenn ihnen ein Mitmensch offen und ehrlich begegnet. Das stärkt das Selbstvertrauen.

KlientInnen spüren ganz genau, ob ihnen die TherapeutInnen offen zugewandt sind oder nicht. Sie merken dies beispielsweise daran, daß die Aussagen der TherapeutInnen und ihr Verhalten mit ihren Gebärden, ihrer Stimme und ihrem Mienenspiel übereinstimmen, daß   sich   darin   keine   Brüche   oder Unvereinbarkeiten zeigen. Die Äußerungen der TherapeutInnen drücken aus, was sie wirklich meinen und fühlen.

Die zweite Grundbedingung einer erfolgreichen Gesprächspsychotherapie ist, daß die KlientInnen durch die Therapeutlnnnen unbedingte Wertschätzung und positive Beachtung erfahren sollten. Dadurch können sich die KlientInnen vollkommen und als »ganze« Person akzeptiert fühlen. Ideale TherapeutInnen bleiben den KlientInnen immer aktiv, positiv und warmherzig zugewandt, sind nicht besitzergreifend oder überfordernd. Statt dessen nehmen sie Anteil an den Schwierigkeiten ihrer KlientInnen. Die KlientInnen können sich wie bei idealen Eltern aufgehoben fühlen.

Wenn TherapeutInnen Gefühle und Verhaltensweisen ihrer Klientlnnnen bewerten, einschränken oder gar verurteilen, hemmt das den therapeutischen Prozeß. Die KlientInnen spüren die Wertschätzung ihrer TherapeutInnen daran, daß sie sich angenommen, respektiert und geachtet fühlen.

Die dritte Grundbedingung schließlich ist einfühlsames Verstehen. Die TherapeutInnen bemühen sich, empfindsam zu sein und ihre KlientInnen genau zu verstehen. Ihr Verständnis hilft den KlientInnen dabei, sich selbst zu verstehen und ihre Gefühle und Probleme der KlientInnen möglichst präzise »auf den Punkt« zu bringen.

Daß die TherapeutInnen sie einfühlend verstehen, erkennen die KlientInnen daran, daß es diesen gelingt, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Die »richtigen Worte« bereiten die gemeinsame Klärung des Problems vor. KlientInnen und TherapeutInnen gehen nebeneinander auf dem Weg der Erkenntnis. Jeder macht  im Wechsel mit dem anderen einen Schritt in die gleiche Richtung.

Mit dem therapeutischen Prozeß beginnt für alle KlientInnen eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Fast immer erleben sie dabei innere Spannungen und das Gefühl, hin- und hergerissen zu sein. Lebhafte Empfindungen steigen auf, und oft passen sie gar nicht in das Bild, das die KlientInnen von sich haben. Diese Gefühle und Erlebnisse werden zum wichtigen Thema in der Therapie. Darüber zu sprechen hilft den KlientInnen, sich ihrer Gefühlswelt zu nähern, ihre Gefühle zu entfalten und sich selbst akzeptieren zu lernen. So können sie sich mit der Zeit differenzierter sehen und entdecken viel mehr Seiten an sich, als sie vorher zu haben glaubten. Gleichzeitig hilft es ihnen dabei, sich als ganze Person zu spüren und ihre neu entdeckten Erfahrungen und Empfindungen zu nutzen, um mehr Vielfalt und Flexibilität in ihr Leben zu lassen.

Gesprächspsychotherapie zielt also auf die Entwicklung, Entfaltung und seelische Bereicherung der KlientInnen: Sie empfinden ihre Gefühle immer weniger verzerrt, die Gefühle werden umfassender und deutlicher spürbar. KlientInnen lernen, aufrichtiger mit sich selbst umzugehen. Auch negativ bewertete Seiten des eigenen Selbst müssen sie nun nicht mehr vor sich selbst und anderen verstecken. In der Gesprächspsychotherapie können sie lernen, sich mit guten und schlechten Seiten zu akzeptieren. So lernt man auch, mehr Achtung vor sich selbst, verstärktes Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein zu entwickeln.

Focusing

In den 60er Jahren entwickelte der Amerikaner Eugene Gendlin (*1926), ein langjähriger Mitarbeiter von Carl Rogers, das Focusing. Focusing ist eine psychotherapeutische Technik und hat nichts zu tun mit der Fokaltherapie, einer Form psychoanalytisch orientierter Kurzpsychotherapie .
Focusing ist eine Art Innenschau und ein Hineinspüren in sich selbst: Die Klientinnen versuchen sich im Gespräch mit den Therapeutinnen ganz auf die aufsteigenden Gefühle und auf ihr Körpererleben einzulassen, um es intensiv zu spüren. Anstatt ausschließlich über das Problem nachzudenken oder es zu analysieren, soll das Focusing die Emotionen, die mit diesem Problem zusammenhängen, lebendig machen. »Wie fühlt sich das an?« heißt die Frage, die die Therapeutinnen ihren Klientinnen immer wieder stellen.
Nicht nur ihre Probleme können sich KlientInnen mit Focusing bewußt machen. Sie spüren auch den Gefühlen nach, die sich einstellen, wenn sie ein Problem bewältigt oder gelöst haben: Bin ich jetzt zufrieden? Bleibt ein schaler Geschmack? Fühle ich mich ruhig und sicher?
Focusing ermöglicht es den KlientInnen, Empfindungen, Gefühle oder Spannungen im »Hier und Jetzt« konkret zu erleben und mit sich selbst »in Kontakt« zu bleiben.

 

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vikas / Gesprächs-Psychotherapie nach Rogers
Anwendungsbereiche

Die Grundeinstellung zum Mitmenschen, die die Gesprächspsychotherapie vertritt, ist in jeder Lebenssituation hilfreich. Deshalb wird sie auch in Erziehungsberatungsstellen, in der Seelsorge, Personalberatung und Gefangenenbetreuung angewendet.

Als psychotherapeutisches Verfahren eignet sie sich zur Krisenintervention, in der Kindertherapie, bei Partner-und Familienproblemen, in der Behinderten, in der Alten- und der Sterbendenbetreuung. Sie wird in der Suchttherapie angeboten und ist bei psychosomatischen und neurotischen Problemen und bei Persönlichkeitsstörungen hilfreich

 

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vikas / Gesprächs-Psychotherapie nach Rogers
Kritik

Gesprächspsychotherapie ist bei Menschen mit neurotischen Störungen nachweislich wirksam, nicht aber bei selbstunsicheren, ängstlichen Menschen, die sich beziehungsunfähig fühlen oder die sich leicht abhängig machen (Beziehungsstörungen). Eine Ausbildung in Gesprächspsychotherapie kann für sich allein bisher nicht als ausreichend angesehen werden, da diese erst seit kurzem über ein Konzept verfügt,    das    zwischen   verschiedenen Störungen differenziert unterscheidet und das Behandlungsvorgehen noch zu wenig auf die Besonderheiten der KlientInnen abgestimmt wird.

Seine universale Anwendbarkeit in Therapie und Alltag macht dieses Verfahren sehr reizvoll. Sich einander zuzuwenden   und   sich   einzufühlen,   läßt Gesprächspsychotherapie  leicht  erlernbar  erscheinen.   Deshalb  ist  aber  die Gefahr groß, daß sich TherapeutInnen überschätzen.  Es sind sehr viel Erfahrung  und  Selbsterfahrung   nötig,   um nicht   ausschließlich   die   Fassade  der KlientInnen  zu  reflektieren,  sondern wirklich die dahinterstehenden Gefühle in allen ihren Dimensionen zu verstehen und aufgreifen zu können.

Unzureichend ausgebildete TherapeutInnen   greifen   zu   häufig   in   das Gespräch ein. Damit kann das Verfahren zum Gegenteil dessen umschlagen, was es sein sollte, und die KlientInnen ungünstig beeinflussen. Verdrängungsprozesse können damit unterstützt, und die Ursache des  Problems  kann noch weiter »zugedeckt« werden.

Eine unbedingt positive Haltung unzureichend  ausgebildeter  TherapeutInnen, die in allem versuchen, ehrlich und einfühlsam zu sein, kann KlientInnen überfordern.

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vikas / Gesprächs-Psychotherapie nach Rogers
Bibliographie

Eine Therapie mit vielen  Namen:

Klienten zentrierte Gesprächstherapie
Klientzentrierte Gesprächstherapie
Gesprächspsychotherapie
Gesprächstherapie
Nichtdirektive Therapie
Nichtdirektive Beratung und Therapie
Personenzentrierte Gesprächspsychotherapie

 

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