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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

QIGONG

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Manchmal überfällt mich aus unerklärlichen Gründen eine Nervosität, die mir »den Atem nimmt«. Dann tauche ich ein in die fließenden Bewegungen des Qigong. Dann bekomme ich wieder Luft, meine Nerven beruhigen sich, ich kann mich wieder konzentrieren und fühle mich frischer.

 

vikas /Qigong
Geschichte und Konzept

Qigong - sprich »Tschi-Kung« - ist die Kunst, durch Atmung, Konzentration und Bewegung die kosmische Lebenskraft »Qi« zu lenken. Es ist eine der ältesten chinesischen -> Meditationsmethoden, aus der sich im Laufe der Zeit verschiedene Formen entwickelt haben. Alle Qigong-Formen haben zum Ziel, den Körper und die Gefühle der Vernunft zu unterwerfen. Das Ziel ist seelische Ausgeglichenheit - das Streben nach diesem Idealzustand verbindet die Lehren des Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus. Für die Menschen in China ist dieses Streben charakteristisch geworden, sie erwarten von sich selbst im Sinne des Vernunftideals emotionalen Gleichmut. Einer seelischen Störung wird nur dann Bedeutung beigemessen, wenn sie sich körperlich äußert.

»Qi« ist nach der Überlieferung die kosmische Kraft, die den Menschen beseelt (s. -> Akupressur). Das dynamische Wechselspiel von Ein- und Ausatmen, im Taoismus symbolisiert durch die Interaktion der beiden polaren Aspekte Yin und Yang, hält Qi in Fluß. Yang gilt als das männliche Prinzip, Yin als das weibliche Prinzip. Yin und Yang wirken in allem Geschehen zusammen, sie steuern alle Phänomene. Wird ihr Wechselspiel gestört und damit der Fluß des Qi blockiert, entstehen, so heißt es, Krankheiten. Dieser Stau läßt sich durch Qigong-Methoden beseitigen.

Zur Zeit der Kulturrevolution wurde Qigong in die Nähe des Aberglaubens gerückt und abgelehnt. In den 80er Jahren erlebte es jedoch wieder eine Hochblüte. In China entwickelten sich neue Methoden, bei denen die Menschen laut schreien und um sich schlagen und so ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, doch diese Formen sind inzwischen schon wieder verpönt.

Die traditionellen Formen des Qigong werden in China an Universitäten gelehrt und in einigen Krankenhäusern angewandt. Die meisten Menschen im »Reich der Mitte« praktizieren regelmäßig Qigong, oft sogar öffentlich und am Arbeitsplatz.

Im letzten Jahrzehnt hat sich Qigong im deutschsprachigen Raum in vielen Einrichtungen der Erwachsenenbildung einen festen Platz erobert. Die Ausbildung der TrainerInnen ist nicht einheitlich geregelt, entsprechend unterschiedlich ist ihre Qualifikation.

 

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Übungsablauf

Ein Weg, den ruhigen Fluß der Lebensenergie Qi wiederzuerlangen, ist die -> Meditation, bei der Übende nur durch gedankliche Konzentration, ohne jede körperliche Bewegung, die Kraft des Qi durch den Körper leiten, vergleichbar der Technik des -> Autogenen Trainings. Ein anderer Weg führt über bestimmte Körperübungen. In der westlichen Welt wird vor allem diese Bewegungsvariante gelehrt und in Gruppen durchgeführt.

In der Gruppe zeigt der Trainer oder die Trainerin, wie die einzelnen Bewegungen aus ruhigem, aufrechtem und festem Stand eingeübt werden. Bei jeder Bewegung fließt der Atem auf eine andere, spezifische Art und Weise. In wacher Aufmerksamkeit nehmen die TeilnehmerInnen die Wirkung auf den eigenen Körper wahr. Bei tiefer Bauchatmung zum Beispiel spüren sie, wie sich die Körperregion unterhalb des Bauchnabels erwärmt. Die Übenden können sich diese Wärme als kosmische Kraft Qi vorstellen, die sie gedanklich durch ihren Leib schicken. Derart konzentriert können in ihnen Bilder oder verdrängte Gefühle aufsteigen.

Insgesamt gibt es etwa sechzehn Grundstellungen, sie tragen die Namen von Tieren, deren geschmeidige Bewegung nachgeahmt wird, etwa » Der Kranich  breitet  die  Schwingen aus«. Im Zeitlupentempo ausgeführt, fließen die Stellungen ineinander über und lassen eine Art  langsamer,  sanft  tänzerischer Bewegung entstehen, die als sehr beruhigend empfunden wird.

Üblicherweise zählen die Kurse zehn bis fünfzehn TeilnehmerInnen. Um die Bewegungsabfolge zu erlernen, sind etwa zehn Stunden erforderlich. Wenn man es beherrscht, soll Qigong allmorgendlich etwa zwanzig Minuten lang durchgeführt werden.

 

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Anwendungsbereiche

In China wird Qigong durchgeführt, um psychosomatischen Störungen vorzubeugen, Krankheiten zu behnadeln und die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Im Westen gilt Qigong bei regelmäßiger Übung als Methode, um Streß abzubauen, die Atmung zu regulieren,  die  Beweglichkeit zu erhalten und eine Rehabilitation zu unterstützen.

Weithin bekannt geworden sind in den letzten Jahren die sogenannten Qigong-Kugeln (»Healt Balls», »Balls of Life«). Das ist ein Paar völlig gleicher Kugeln aus Metall oder Stein, kaum größer als Tischtennisbälle, die die Prinzipien Yin und Yang repräsentieren sollen. Wenn man sie in der Hand kreisen läßt, sollen sie die Energie des Qi freisetzen und Heilwirkungen auf innere Organe entfalten sowie Probleme, wie Konzentrationsschwäche, Nervosität bis hin zu schwerer Depression, lösen helfen. In manchen Kugeln sind Klangblättchen eingebaut, die beim Rotieren feine Töne von sich geben. Diese klingenden Kugeln werden gelegentlich auch in der -> Musiktherapie eingesetzt.

 

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Kritik

Die Arbeit der Qigong-Trainerlnnen unterliegt  keinerlei  Qualitätskontrolle. Oft sind sie nicht ausreichend qualifiziert, um die bei Übenden möglicherweise aufsteigenden Gefühle therapeutisch aufzuarbeiten.

Der Gebrauch von Qigong-Kugeln kann entspannende Wirkung haben. Ob darüber hinaus Wirkungen, wie sie viele Anbieter versprechen, zu erwarten sind, ist bis jetzt nicht dokumentiert.

 

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008