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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

PROGRESSIVE MUSKELRELAXATION NACH JACOBSON

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik | Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Meine Muskelverspannungen kann ich mit der Progressiven Relaxation vorübergehend ganz gut lockern. Ich fühle mich dann immer angenehm schwer und weich. Nach einer Weile kommen die Verspannungen aber wieder. Ich mache dann meine Übungen erneut. So komme ich ganz gut zurecht.

 

vikas / Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Geschichte und Konzept

In den frühen 20er Jahren entwickelte der amerikanische Physiologe Edmund Jacobson (1885-1976) sein spezielles Entspannungstraining. Er hatte von seiner Tätigkeit im Labor Rückenschmerzen bekommen und versuchte eine Selbstbehandlung: Aus eigener Erfahrung kannte er die schmerzhafte Wirkung verspannter Muskeln auf die Befindlichkeit. Er hatte aber beobachtet: Wenn er sich kräftig reckte und streckte, vor allem die Muskeln von Armen und Beinen fest anspannte und wieder lockerte, war er anschließend besonders intensiv und angenehm seelisch entspannt. Jacobson ging davon aus, daß ein nervöser und angespannter Mensch weder körperlich noch seelisch locker und gelöst sein kann.

In abgewandelter Form wurde sein Verfahren später in die humanistisch­psychologischen (-> Integrative Entspannung) und in die verhaltenstherapeutischen Verfahren (-> Systematische Desensibilisierung) übernommen. Die Progressive Muskelrelaxation, auch »Tiefmuskel-Entspannungstraining (TE)« genannt, ist in den USA viel weiter verbreitet als in Europa. In Deutschland praktizieren etwa 2000 TherapeutInnen diese Methode, die vor allem in psychosomatischen Kliniken angeboten wird, 750 gehören dem Fachverband an. In Österreich und der Schweiz arbeiten ebenfalls viele TherapeutInnen mit dieser Methode.

In 60 Stunden umfassenden Kursen können sich DiplompsychologInnen, BewegungstherapeuthInnen und ÄrztInnen durch den Verband in Progressiver Relaxation ausbilden lassen. Die Ausbildung wird mit einem Diplom abgeschlossen.

 

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vikas /Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Übungsablauf

Die Klientin ruht bequem auf einer Liege. Konzentriert richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf die Körperbereiche, in denen sie Verspannungen und Unwohlsein spürt. Nun spannt sie gezielt bestimmte Muskelgruppen an und lockert sie wieder. Sie beginnt mit den Muskeln der Hand: Sie ballt mit Kraft eine Faust und läßt die Hand dann ganz weich und locker werden. Dann geht sie zum Arm über: Sie winkelt ihn unter Spannung an, läßt locker. So übt sie mit immer neuen Muskelgruppen, bis sie schließlich gelernt hat, den ganzen Körper anzuspannen und zu entspannen.

Die kräftige Anspannung sorgt für eine stärkere Durchblutung der jeweiligen Muskelpartien. Das wird in der Phase der Entspannung als strömende Wärme, Schwere und Prickeln empfunden. Wenn die Übungen auch Rücken-und Bauchmuskulatur mit einbeziehen, breitet sich ein Gefühl angenehmer Ruhe, Müdigkeit und Schläfrigkeit in den Übenden aus.

Die Übungen werden mehrfach wiederholt, um sich den Ablauf und ihre Wirkung gut einzuprägen. In einer Besprechung werden Trainingsfehler korrigiert. Anschließend ist eine Ruhephase von einer halben Stunde sinnvoll.

Jede neue Übung sollte mehrfach täglich eine Woche lang geübt werden. Am Ende des Trainingskurses werden auch die Kopf-, Augen-, Gesichts- und Kaumuskeln mit einbezogen. Alle Übungen werden zusätzlich auch im Sitzen einstudiert, damit man sie leichter in den Alltagsablauf einfügen kann. Progressive Relaxation lernt man am leichtesten in einer Gruppe von nicht mehr als zehn bis fünfzehn TeilnehmerInnen. Auch Kinder können diese Übungen machen. Die Kurse dauern zwischen fünf und zehn Sitzungen von je ein bis zwei Stunden und werden von BewegungstherapeutInnen, PsychologInnen und ÄrztInnen in der Praxis sowie in Volkshochschulen, Bildungseinrichtungen und in Kliniken angeboten.

 

 

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vikas /Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Anwendungsbereiche

Progressive Muskelrelaxation ist leicht zu erlernen und kann jederzeit ohne großen Aufwand auch im Alltag angewendet werden. Die VertreteInnen dieser Methode empfehlen sie zur bewußten Entspannung in Streßsituationen, zum Beispiel während einer Prüfung, in Verhandlungen, anstrengenden Gesprächen oder wenn man sich sonstwie beobachtet und auf dem »Prüfstand« fühlt. Progressive Relaxation wird zur Behandlung von Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Muskelverspannungen, chronischen Schmerzen und Kopfweh und als Begleittherapie einer Angst-Behandlung angeboten. Sie ist besonders hilfreich bei Krebsbeschwerden. Außerdem soll man mit ihrer Hilfe lockerer mit sich und anderen umgehen können.

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vikas / Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Kritik

Bei Muskelkrankheiten kann Progressive Muskelrelaxation die Beschwerden verschlimmern.

Menschen, die besonders perfektionistisch   oder   ehrgeizig   sind,   sollten keine    starken    Anspannungsübungen machen; das kann ihren inneren Druck noch verstärken.

Bei   seelischen   Störungen,   wie Depression, Schizophrenie, Ängsten und Phobien, und zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen   ist   Progressive Relaxation als ausschließliche Behandlung ungeeignet.  In den angegebenen Anwendungsbereichen  gilt  sie  jedoch als ein wirksames Verfahren.

 

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vikas / Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008