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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

MIND-MACHINES

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik | Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Ein teurer Spaß: Drei Wochen lang habe ich das Gerät benützt. Augenbinde und Kopfhörer aufgesetzt, die Lichtblitze und Rhythmen eingeschaltet, mich zurückgelehnt und die Füße hochgelegt. Jeden Tag habe ich mich eine Viertelstunde lang berieseln lassen. Anfangs fand ich es wirklich entspannend, aber bald hat mich schon allein der Gedanke an das »Psychedelic Light« nervös gemacht.

 

vikas / Mind Machines
Geschichte und Konzept

»Entspannung aus der Steckdose« wurde in den USA Ende der 80er Jahre zum Hit. Bald schwappte die Modewelle nach Europa über, in allen größeren Städten der Bundesrepublik, aber auch in Wien und Zürich wurden »Mind-Salons« und »Brain-Relax-Studios« eröffnet. Der große Run ist inzwischen etwas abgeebbt, doch sind mittlerweile allein in Deutschland mehr als 20.000 Mind-Machines für den privaten Gebrauch verkauft worden, anzuschließen an den heimischen Personal Computer.

Die Geräte selbst gelten vor den Behörden als »elektronisches Spielzeug«, für das keine Betriebsgenehmigung vorliegen muß. Eine therapeutische Ausbildung der Kundenberater gibt es nicht. Sie werben damit, daß es mit Hilfe der Mind-Machines möglich sei, »in .einer halben Stunde das zu erreichen, wozu ein Yogi dreißig Jahre braucht«: Streßabbau, gesteigerte Lebensenergie, Harmonie von Körper und Geist. Hinter dieser Technologie steht die Vorstellung, daß das Gehirn sich auf von außen wirkende, entspannende Wellen einstimmen ließe.

 

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vikas /Mind Machines
Übungsablauf

In den kleinen Kabinen in den Mind-Studios, die jeweils mit einer Liege ausgestattet sind, können Kundinnen es sich bequem machen. Dann setzen sie eine undurchsichtige Plastikbrille auf, an deren Innenseite verschiedenfarbige Lämpchen eingebaut sind. Diese flackern nun bunt durcheinander oder auf Wunsch auch rhythmisch. Das soll dazu dienen, den Fluß der Gedanken zu unterbrechen. Gleichzeitig wird über Kopfhörer ein Piepston eingespielt. Er kann mit »meditativen« Geräuschen, wie Vogelgezwitscher, Meeresrauschen oder auch »tibetanischen Klangfarben« aus dem Synthesizer, unterlegt werden, und man kann selbst an den Schaltknöpfen die Intensität regulieren. Die Pieps-Intervalle werden im Verlauf der etwa halbstündigen Sitzung zunehmend seltener. Dadurch soll sich die Gehirnaktivität verlangsamen und Entspannung hervorgerufen werden.

In den Kopfhörer können auch Kassetten eingespielt werden, die den Namen »Hemi-Sync« tragen. Das soll »Synchronisation der beiden Gehirnhälften« bedeuten, vom griechischen Wort »hemi« für »halb«. Die Kopfhörer geben akustische Signale ab, deren Tonhöhe sich im rechten und linken Kopfhörer angeblich geringfügig unterscheiden - das Ohr kann dies nicht wahrnehmen, doch es soll die Aktivität der beiden Gehirnhälften gleichschalten und ein Gefühl von Entspannung und Versenkung vermitteln.

Für eine Behandlungsserie sind zehn Sitzungen vorgesehen.

 

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vikas /Mind Machines
Anwendungsbereiche

Mind-Machines  werden  zur  Entspan­nung bei allen psychischen und psychosomatischen Störungen empfohlen. Ihr regelmäßiger Gebrauch soll darüber hinaus Intelligenz, Lebensfreude, Sexualpotenz und Kreativität steigern.

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Kritik

Die Behauptungen der Gerätehersteller, Mind-Machines seien ein »therapeutischer Quantensprung ins dritte Jahrtausend«, sind nicht haltbar.

Bei -> Borderline-Patienten und  bei  Menschen mit  -> schlummernden   Psychosen besteht ein großes Risiko,
daß eine psychotischer Schub, bei Epileptikern, daß ein Anfall ausgelöst wird. Auch Menschen  mit   Herz-Kreislauf-Problemen riskieren,  durch  die  Überreizung  des Innenohres akut zu erkranken.

Die berichteten positiven Resultate  beruhen  auf der  positiven  Erwartungshaltung der KundInnen und sind nicht ausreichend belegt.
Die Entspannung ist nur selten dauerhaft und häufig  eher  Folge  von  Ermüdung   beim Benutzen des Gerätes. Wirkungsvollere und weniger riskante Techniken,  beispielsweise   -> Muskelentspannung   nach Jacobson, sind  empfehlenswerter.

Der Gebrauch von Mind-Machines ist    fragwürdig.    Der    Berufsverband Deutscher  Psychologen  (BDP)  warnt ausdrücklich vor diesen Geräten.

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008