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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

FELDENKRAIS-METHODE

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Es war wunderbar. Ich gab mich völlig passiv den sanften Bewegungen hin, die die Therapeutin mit meinen Beinen und Rückenrnuskeln durchführte. Seltsame Gefühle, manchmal auch Bilder, stiegen in mir hoch. Bald war ich so entspannt, daß ich während der Therapiestunden einschlief. Nach einigen Behandlungen geschah es immer öfter, daß sich mein Körper im Sitzen und Gehen von selbst gerade richtete. Meine Rückenprobleme bin ich nun los.

 

vikas /Feldemnkrais-Methode
Geschichte und Konzept

Diese Methode ist nach ihrem Begründer Moshe Feldenkrais (1904-1984) benannt, einem Physiker, der in Frankreich, England und Israel tätig war. Nach einer Knieverletzung in jungen Jahren drohte ihm eine lebenslange Gehbehinderung. Feldenkrais unternahm daraufhin Studien in Anatomie und Neurophysiologie, aus denen er ein Trainingsprogramm herleitete, um seine eigene Beweglichkeit wiederherzustellen. Später erweiterte er dieses Programm und entwickelte daraus sein pädagogisches Gesamtkonzept. Dessen Lerntheorien besagen, daß sich neues körperliches Verhalten durch beständiges Üben so einprägt, daß es später automatisch ablaufen kann. Die Lernerfahrungen im Bereich der Motorik sollen auch die seelische und geistige Mobilität fördern.

Das Training setzt bei den oft »unphysiologischen« Bewegungsmustern an, die wir uns aufgrund von Erziehung (»Halt dich gerade! Bauch hinein, Brust heraus!«) oder äußeren Einflüssen (»Es schickt sich nicht, mit gespreizten Beinen zu sitzen, ich schlage sie übereinander«) oder durch Verletzungen (»Ich hinke, um das Gipsbein leichter zu ertragen«) angewöhnt haben. Diese Gewohnheiten können zu Schmerzen und Fehlhaltungen führen. Bewußt eingeübte Bewegungsabläufe sollen die unbewußte Routine ersetzen. Ziele des Trainings sind eine geschmeidige Bewegung und ein neues, positives Körpergefühl.

Etwa 2.000 Personen bieten im deutschsprachigen Raum Feldenkrais-Technik in niedergelassener Praxis, in Einrichtungen der Erwachsenenbildung und in Workshops an. Meist sind es KrankengymnastInnen, MasseurInnen, HeilpraktikerInnen und Bewegungspädagoglnnen. 600 von ihnen haben sich in der Feldenkrais-Gilde zusammengeschlossen. Die Ausbildungsgänge der einzelnen TrainerInnen sind sehr unterschiedlich, ihr Qualitätsstandard ebenso.

 

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Übungsablauf

Feldenkrais-Einzelarbeit und Feldenkrais-Arbeit in Gruppen verlaufen unterschiedlich und verfolgen auch unterschiedliche Ziele.

Einzelarbeit: Funktionale Integration

Die Einzelbehandlung beginnt mit einem Gespräch, in dem die KlientInnen ihre Probleme - meist Schmerzen und beeinträchtigte Bewegung - beschreiben. Anschließend wird kaum mehr gesprochen.

Die KlientInnen liegen, leicht und bequem bekleidet, auf einer Matte oder Liege. Die Hände der TrainerInnen bewegen nun die Gliedmaßen, den Kopf, das Becken oder auch nur einzelne Muskelgruppen ganz behutsam. Sie erproben den Bewegungsspielraum jedes Gelenks und erweitern ihn allmählich, indem sie das Gelenk in physiologisch richtigen Mustern hin und her bewegen. Diese Bewegungen wiederholen die TrainerInnen bis zu dreißigmal. Dabei wird der Radius der Bewegung aber nie so weit gezogen, daß die Gelenke überanstrengt werden. Passiv, aber aufmerksam folgen die KlientInnen dem Geschehen. Sie spüren die feine Motorik der beteiligten Muskeln und versuchen sich die neuen Bewegungen einzuprägen. Diese sollen später im Alltag zur Routine werden.

Gruppenarbeit: Bewußtheit durch  Bewegung

In der Feldenkrais-Gruppenarbeit konzentrieren sich die TeilnehmerInnen nur auf sich selbst. Nach Vorgabe der TrainerInnen führen sie die Übungen eigenverantwortlich durch, meistens im Liegen. Dabei soll ihnen bewußt werden, inwieweit die gewohnheitsmäßigen Bewegungen falsch ablaufen. Danach erlernen sie die physiologisch richtigen Bewegungsabläufe, prägen sie sich durch intensive Vorstellung ein und machen sie durch wiederholtes Üben zur Routine. Jede Trainingsstunde  ist einer bestimmten Körperzone gewidmet. Das Ziel ist, durch Wachsamkeit den gesamten Körper besser zu spüren und ein verbessertes Körperselbstbild zu erlangen.

»Bewußtheit durch Bewegung« wird oftmals im Zusammenhang mit Reit­oder Skiunterricht angeboten. Auf dem Buchmarkt gibt es Anleitungen zum Selbstlernen.

 

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Anwendungsbereiche

Feldenkrais-Arbeit verbessert Atmung und Haltung, steigert das allgemeine Wohlbefinden und erleichtert chronische Schmerzzustände. Sie wird in der Rehabilitation bei Behinderung eingesetzt, nach Unfällen und im Alter. TrainerIinnen bieten diese Methode der Selbsterziehung an, um die körperliche und geistig-seelische Beweglichkeit zu steigern.

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Kritik

Feldenkrais-Arbeit erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Aufgrund zunehmender Kommerzialisierung sind viele Feldenkrais-Lehrerlnnen nicht ausreichend  ausgebildet,  wenden  zu  wenig Zeit für ihre KlientInnen auf und bilden zu große Trainingsgruppen.

Feldenkrais-Arbeit kann als Heilmethode  bei  verschiedenen  Störungen eingesetzt  werden.   Dann  müßten  die TherapeutInnen jedoch eine Zulassung als Heilbehandlerlnnen haben. Um die gesetzlichen  Vorschriften  des  Heilbehandlungsgesetzes  zu  umgehen,  wird die  Methode   »Lerntraining«  genannt und in Kursen von Personen ohne ausreichende  medizinische  Qualifikation angeboten. Trotzdem suggerieren diese Angebote, daß Feldenkrais-Arbeit eine Therapiemethode sei.

Es   ist  fraglich,  ob  Feldenkrais- Arbeit die Entwicklung der Persönlichkeit tatsächlich so stark beeinflußt, wie die AnwenderInnen behaupten.

 

 

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008