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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

EUTONIE (GERDA-ALEXANDER-TECHNIK)

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Früher hatte ich das unbestimmte Gefühl, daß etwas mit mir nicht stimmt und daß ich auf manche Situation »überzogen« reagiere. Durch die Eutonie hat sich das geändert. Erstaunlich fand. ich, was man alles spüren und phantasieren kann, was die Körperbewegung in Gang setzt — und was geschieht, wenn man sich ganz auf sich selbst konzentriert. Nach meiner Erfahrung mit Eutonie fühle ich mich gelassener und ausgeglichener.

 

 

vikas / Eutonie
Geschichte und Konzept

Die pädagogische Methode der Eutonie wurde von der in Skandinavien tätigen deutschen Rhythmiklehrerin Gerda Alexander (*1908) entwickelt. In ihrer Arbeit am Theater und in der Bewegungserziehung von Schülerinnen erarbeitete sie eine Technik, die die Sensibilität für den eigenen Körper erhöhen soll. Sie stellte sie erstmals 1959 unter dem Namen »Eutonie« vor. Dieses Kunstwort, zusammengesetzt aus den griechischen Begriffen »eu« für gut und »tonos« für Spannung, beschreibt das Ziel der Methode: im täglichen Leben eine ausgewogene Grundspannung zu erreichen. Krankheit und unterdrückte Emotionen können den Körper in einen andauernden Zustand der Überspannung versetzen oder mangelnde Spannung und Antriebslosigkeit zur Folge haben. Das schränkt nicht nur die Erlebnisfähigkeit ein, sondern auch die Fähigkeit, auf Anforderungen flexibel zu reagieren. Dann ist auch das Empfinden verzerrt, das ein Mensch von seinem eigenen Körper hat, und die Selbstwahrnehmung stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein.

Eutonie lehrt bewußte Körper-Selbsterfahrung. Sie will keine Therapie sein, jedoch zu einer Psychotherapie hinleiten oder sie ergänzen.

In Gerda-Alexander-Schulen werden nur Personen mit Selbsterfahrung in Eutonie zugelassen. Die Ausbildung umfaßt medizinisches und psychologisches Grundwissen und dauert viereinhalb Jahre. Nur das Diplom einer anerkannten Schule berechtigt dazu, den Namen Eutonie zu verwenden. Trotzdem bieten auch anders ausgebildete PädagogInnen ihre Arbeit unter diesem Namen an.

Im deutschsprachigen Raum arbeiten über 50 qualifizierte PädagogInnen mit Eutonie. Sie wird in psychosomatischen Kliniken, von niedergelassenen ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen und LebensberaterInnen angeboten.

 

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vikas /Eutonie
Übungsablauf

Eutonie wird in lockerer Kleidung meist in Gruppen, seltener in Einzelstunden durchgeführt.

Am Beginn der Sitzung nehmen die TeilnehmerInnen »Kontrollpositionen« ein, damit die Eutonie-Lehrerlnnen den Zustand von Gelenken, Bändern und Muskeln erfassen können.

Bewußt und betont langsam führen sie anschließend Bewegungen aus, spüren den dabei entstehenden Empfindungen im Körper nach und versuchen sie sich bewußtzumachen. Die Bewegungen sind nicht vorgegeben, alle finden selbst spontan jenen Bewegungsablauf, der ihrem persönlichen Rhythmus und Bedürfnis entspricht. Eutonie-Lehrerlnnen führen nichts vor und üben nie Kritik.

Die Arbeit beginnt im Liegen, wird später im Sitzen und dann im Stehen fortgeführt. Auf der Matte spüren die TeilnehmerInnen bewußt der Wirkung der Schwerkraft auf den Körper nach, sie erspüren dessen Begrenzung, seine dreidimensionale Form und Struktur. Manche schmerzt das Liegen, dann wird die Aufmerksamkeit an diese schmerzende Stelle gelenkt. Allmählich verbessert sich dadurch die Durchblutung, die Spannung kann sich lösen. Andere Übende können sich nicht recht spüren. Sie legen, um Körperstellen deutlicher wahrzunehmen, im Liegen einen Ball oder einen Bambusstock unter. Der Druck schmerzt und zieht die Konzentration auf diese Körperstelle.

Im Üben erfassen die KlientInnen nicht nur ihre Körpergrenzen, sondern auch das Verhältnis ihres Leibes zu dem umliegenden Raum.

Eutonie-LehrerInnen unterstützen die Körperwahrnehmung der KlientInnen, indem sie sie berühren oder mit ihnen kleine, durch sie gelenkte Bewegungen ausführen. Die TeilnehmerInnen tauschen ihre Erfahrungen im Gruppengespräch aus und vertiefen sie daheim, indem sie die Körperübungen wiederholen.

Während der Eutonie-Übungen können tiefe emotionale Empfindungen aufbrechen. Die Eutonie-LehrerInnen müssen die KlientInnen dabei unterstützen können, die Gefühle aufzuarbeiten.

 

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vikas /Eutonie
Anwendungsbereiche

Eutonie-LehrerInnen bieten ihre Methode an, um Streß zu bewältigen, Haltungsschäden zu korrigieren, die Beschwerden psychosomatischer Erkrankungen zu beseitigen und chronische Schmerzzustände zu lindern. Eutonie soll auch helfen bei Kontaktproblemen und bei verzerrter Wahrnehmung der Umwelt.

Bei schweren Krankheiten und seelischen Störungen arbeiten qualifizierte Eutonie-LehrerInnen mit ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen zusammen. Eutonie ist in erster Linie ein pädagogisches Verfahren. Neurologische Forschungen haben die Theorie und Vorgehensweise der Eutonie zum Teil bestätigt und herausgefunden, daß sie ausgleichend auf das vegetative Nervensystem wirkt. Eutonie kann daher als Begleitmaßnahme einer psychotherapeutischen Behandlung sinnvoll sein.

 

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vikas / Eutonie
Kritik

Ob die Eutonie einen eigenständigen psychotherapeutischen Wert hat, wie vielfach behauptet wird, ist wissenschaftlich nicht belegt.

 

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vikas / Eutonie
Bibliographie

 

 

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