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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

BIOFEEDBACK

| Geschichte und Konzept | Übungsablauf | Anwendungsbereiche | Kritik | Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Ich habe jahrelang unter Migräne gelitten und alles Mögliche versucht, um sie loszuwerden. Schließlich nahm ich als Versuchsperson an einer Studie teil, in der Biofeedback erprobt wurde. Mit dieser Methode habe ich gelernt, Signale meines Körpers eher zu verstehen und ganz bewußt gegen störende Symptome anzuarbeiten. Meine Migräne tritt heute seltener auf, und wenn, ist sie viel schwächer als früher, weil ich frühzeitig auf die ersten Anzeichen reagieren kann und mich dann beispielsweise schone.

 

vikas / Biofeedback
Geschichte und Konzept

Biofeedback ist ein Kunstwort aus dem Englischen und bedeutet »Rückmeldung biologischer Signale«. Es bezeichnet eine Kombination psychologischer, lerntheoretischer und technischer Methoden, die KlientInnen helfen sollen, die vegetativen Vorgänge ihres Körpers bewußt zu kontrollieren.

Einer Anekdote zufolge geht das heutige Biofeedback auf den amerikanischen Erfinder J. H. Bair zurück, der im Jahre 1901 herausfand, daß Menschen nur dann die Fähigkeit entwickeln, mit den Ohren zu wackeln, wenn sie sehen oder mit den Händen fühlen konnten, daß nur das Anspannen ganz bestimmter Kopfmuskeln die Ohren wackeln läßt. Er bastelte zu diesem Zweck das erste elektrische Biofeedback-Gerät. Psychotherapeutisch gesehen gründet Biofeedback auf einer Beobachtung, die man bereits Ende des 19. Jahrhunderts bei der Behandlung von »Hysterikerinnen« gemacht hatte: Die Feuchtigkeit der Haut dieser Frauen veränderte sich je nach ihrem seelischen Befinden.

Auf der Grundlage lerntheoretischer Überlegungen (-> Verhaltenstherapie) und der Arbeiten Edmund Jacobsons (-> Progressive Entspannung) begann Mitte der 60er Jahre die Entwicklung des modernen Biofeedback in der Medizin und insbesondere in der Verhaltenstherapie. Biofeedback wird heute in erster Linie in psychosomatisch orientierten Kliniken und ärztlichen Praxen eingesetzt.

 

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Übungsablauf

Biofeedback ist einfach zu erlernen: Um die Geräte zu bedienen, bedarf es lediglich einer technischen Einweisung. Mit Hilfe elektronischer Sensoren können Atmung, Blutdruck, Gehirnströme, Hautwiderstand, Herzfrequenz, Muskelspannung und Körpertemperatur gemessen werden. Die Meßergebnisse werden in optische oder akustische Signale umgesetzt, so daß diese Körperwerte und ihre Veränderungen direkt wahrnehmbar werden.

Um zum Beispiel eine Entspannung zu beschleunigen, wird das Elektromyogramm (EMG) verwendet: Es mißt die Muskelspannung der KlientInnen an Stirn-, Unterarm- oder Kaumuskulatur. Die Spannung erscheint auf einem Bildschirm als Linie, deren Kurve sich mit jeder Änderung der Muskelspannung verändert. Die KlientInnen können die An- oder Entspannung ihrer Muskeln an Hand des sichtbaren Signals direkt verfolgen und bekommen so eine unmittelbare Rückmeldung (Feedback). In kurzer Zeit können sie auf diesem Weg lernen, vegetative, sonst nicht bewußt zu beeinflussende Körperfunktionen willentlich zu verändern.

Biofeedback versteht sich als Kurzzeittherapie, die KlientInnen innerhalb weniger Sitzungen befähigen soll, gestörte vegetative Abläufe positiv zu beeinflussen. Nach etwa 10 bis 25 Sitzungen von jeweils 45 bis 60 Minuten Dauer, am besten täglich, soll man in der Lage sein, auch dauerhaft ohne Rückmeldung durch das Gerät auszukommen.

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Anwendungsbereiche

In erster Linie dient Biofeedback dazu, bei der Muskelentspannung zu helfen. Es wird insbesondere bei der Behandlung von Spannungskopfschmerz und Migräne eingesetzt, daneben auch bei Schlafstörungen, Bluthochdruck, Nervosität   und  Angstzuständen. Biofeedback spielt eine wichtige Rolle in der Therapie von Asthma, Herz-Kreislauf-Störungen,   bei   Inkontinenz sowie in der Rehabilitation von Menschen mit Erkrankungen des Nervensystems und von Epileptikerinnen.  Die Erfolge  von  -> Autogenem  Training  oder -> Progressiver Entspannung lassen sich mittels Biofeedback kontrollieren.

Als erfolgreiche Methode, »gestreßten« Zeitgenossen zu mehr Gelassenheit zu verhelfen, gilt Biofeedback in der Kombination mit Hypnose und Kognitiver Verhaltenstherapie (-> Streßmanagement).

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Kritik

Biofeedback ist eine sehr wirksame Entspannungsmethode. Doch nicht in allen Fällen läßt sich der mittels Biofeedback-Gerät erzielte Entspannungseffekt auf alltägliche Situationen übertragen, wenn man auf das Gerät angewiesen ist, aber keines verfügbar ist. Hierin liegt ein Nachteil gegenüber den autogenen Verfahren.

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Bibliographie

 

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 ©    Edition VIKAS 2008