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Psychotherapien
auf dem Prüfstand

AKUPRESSUR UND SHIATSU

| Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche | Kritik| Bibliographie |


Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch


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Meine Schultern waren hart wie ein Brett, die Verspannung wich nicht mehr von alleine. Der Masseur bohrte seine Fingerkuppen und Ellenbogen in meine Muskeln, das tat manchmal höllisch weh. Den Muskelkater spürte ich tagelang. Aber trotzdem fühlte ich mich nach jeder Akupressur angenehm entspannt. Leider hält die Wirkung nicht dauerhaft an.

 

vikas / Akupressur und Shiatsu
Geschichte und Konzept

Die Akupressur, eine Fingerdruck-Massage, entstammt dem chinesischen Kulturkreis. Sie entwickelte sich aus der Massagetechnik chinesischer Ärzte, Tuina-Massage genannt, wurde Teil der Volksmedizin und verbreitete sich weit über die Landesgrenzen hinaus. Im zeitgenössischen China wird Akupressur zur Selbstbehandlung empfohlen, zum Beispiel bei Ermüdung, Verspannung und zur Vorbeugung von Krankheiten. Das gilt auch für Shiatsu, die japanische Variante der Akupressur.

Wie die Akupunktur, so fußen Akupressur und Shiatsu auf mystischen Vorstellungen der Zahlenmagie: Den 361 Tagen und 12 Monaten  des  chinesischen Kalenders sind Areale auf dem Körper zugeordnet, auf denen sich besondere Energiepunkte befinden sollen, die durch Bahnen verbunden sind. Die Bahnen, im Westen »Meridiane« genannt, sollen die Punkte mit den inneren Organen und mit der kosmischen Lebensenergie, »Qi« genannt, verbinden. Diese Kraft soll in den Bahnen fließen, aber sie kann durch unmäßigen Lebensstil, Belastungen oder Schwächen ins Stocken geraten (s. -> Qigong). Mit rhythmischem Druck auf die Energiepunkte wollen Akupresseure den Fluß wieder mobilisieren und Körper und Geist gesunden lassen.

Tatsächlich wirken die Druckmassagen auf das vegetative Nervensystem und führen auf diesem Weg zu Entspannung und Schmerzlinderung.

Seit etwa einem Vierteljahrhundert werden diese Massagetechniken auch im Westen praktiziert. Dabei haben sie Veränderungen erfahren, die von Schule zu Schule variieren und in unzähligen Instituten gelehrt werden. Die Qualifikation der PraktikerInnen ist entsprechend unterschiedlich. ÄrztInnen, Angehörige anderer Heilberufe und viele Laien führen Akupressur- und Shiatsu-Behandlungen durch.

 

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Therapieablauf

Grundsätzlich wird einzeln behandelt, die KlientInnen bleiben meist bekleidet.

Mit den Fingerkuppen, manchmal auch mit den Fingernägeln massieren Akupressur-PraktikerInnen durch kreisende Bewegungen die Areale rund um die Energie- und Schmerzpunkte oder entlang der gedachten Meridiane. Bei Shiatsu wird auch mit den Handballen, den Handflächen, mit Ellenbogen und Füßen Druck ausgeübt. Kräftiger Druck soll beruhigen, zarte Behandlung anregen. Manche Behandlerlnnen unterstützen die Wirkung, indem sie die Punkte mit Pflanzenölen einreiben.

Eine Sitzung dauert etwa 30 Minuten, die Behandlung wird üblicherweise mehrmals wiederholt. Zwischen den Sitzungen können sich KlientInnen selbst mit Akupressur behandeln.

 

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Anwendungsbereiche

Die AnbieterInnen empfehlen Druckmassagen überwiegend zur Vorbeugung und Stärkung. Sie sollen Alltagsbeschwerden wie Erschöpfung, Kopfweh, Schlafstörungen, Schmerzen an Nacken und Rücken sowie Verdauungsbeschwerden lindern.

Ausgeschlossen werden Druckmassagen an entzündeten Hautarealen, bei schweren HerzKreislauf-Leiden, bei Bandscheibenvorfall, entzündlichen Magen-Darm-Krankheiten, Krebsleiden und während der Schwangerschaft an Punkten, die den Unterleib beeinflussen.

 

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Kritik

Wendet man Druckmassagen, wie empfohlen, regelmäßig zur Vorbeugung und Selbstbehandlung an, können Schmerzen und andere wichtige Krankheitssignale womöglich ausgeschaltet werden. Deshalb sollte keine Akupressur ohne vorherige ärztliche Diagnose begonnen werden.

Druckmassagen sollten nicht nach einem der vielen Ratgeber-Bücher im Do-it-yourself-Verfahren  erlernt,  sondern nur von erfahrenen PraktikerInnen durchgeführt werden.

Behandlung  durch  medizinische Laien ist abzulehnen, da sie Risikofaktoren nicht erkennen können.

Die Vermutung, daß in den Meridianen kosmische Energie fließe, gilt als vorwissenschaftlicher Versuch, anatomische Zusammenhänge zu verstehen.

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Bibliographie

 

 

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 ©    Edition VIKAS 2008