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Horch was kommt durchs Hintertürchen...


Oder: Irrtum Aufklärung ?

Autor: Wolfgang Rühle / 02.08.2009/ 05.12.2009


Interessenverbände und Politik bemühen sich mit allen Kräften, der Homöopathie einen seriösen Anstrich zu verleihen. Von Stiftungen getragene Honorarprofessuren werden eingerichtet, entsprechende Institute an Universitäten mit staatlichen Mitteln finanziert, Politiker diskutieren über Methodenpluralismus: nur um Disziplinen der "alternativen Medizin" Anerkennung zu verschaffen, die wissenschaftlich längst eindeutig widerlegt sind.


 

Die „Homöopathischen Nachrichten“, die Zeitschrift des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, verkündet voller Stolz in einer Sonderausgabe: Immer mehr gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten der Homöopathie. Und dieser Stolz ist berechtigt. Zwar haben wir noch keine Verhältnisse wie die Schweizer Eidgenossen, dort wurde die Komplementärmedizin inzwischen in der Verfassung verankert, aber wir sind auf direktem Wege dahin, hat doch die sogenannte Komplementärmedizin in Deutschland schon lange eine erfolgreich arbeitende Lobby in Politik und Wirtschaft.

In den „Homöopathischen Nachrichten“ Juni/Juli 2009 äußern sich MdB Annette Widmann-Mauz (CDU/CSU) und MdB Dr. Marlies Volkmer (SPD), sicher zur Freude der Herausgeber, sehr löblich über dieses Thema.

Frau Widmann-Mauz betont, dass für die Union der Patient und Versicherte mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt des Interesses steht. Daran wird kaum jemand zweifeln, bleibt nur die Frage: als Patient oder Wähler und Beitragszahler? Bedürfnisse kann man beim Wähler wecken, der Manipulation, besser gesagt der Lobbyarbeit, sind diesbezüglich in unserer Gesellschaft kaum Grenzen gesetzt. Ob sie dem Wähler zuträglich sind, scheint in diesem Falle eher nachrangig zu sein. Widmann-Mauz:“..damit bietet sich die Chance, die Stärken der Komplementärmedizin, ihre Wirksamkeit und ggf. Überlegenheit [!] für die Versicherten und Krankenkassen zu dokumentieren.“

Auch Frau Dr. Volkmer betont, dass Leistungen der Homöopathie in der GKV besser berücksichtigt werden müssen, hebt aber die Notwendigkeit des Nachweises der Wirksamkeit hervor. Klingt vernünftig, ist aber nicht so gemeint. Denn schon der nächste Satz relativiert die Aussage: „Ich bin überzeugt davon, dass der Nutzensnachweis komplementärmedizinischer Verfahren geführt werden kann – die entscheidende Frage ist, mit welcher Methode dies gemessen wird. Eine Diskussion über das Thema Methodenpluralismus [!] steht in meiner Partei/Fraktion erst am Anfang“.  

Schaut man auf der Seite der GWUP nach, dann wird deutlich, was die beiden MdB gemeint haben könnten. Dort äußern sich Inge Hüsgen und Dr. Krista Federspiel zum Thema Homöopathie: „ Bislang liegt kein wissenschaftlicher Beweis für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung der Homöopathie vor. Auch bei den Versuchen, ihre Theorie rational zu erklären, ist die Homöopathie bisher gescheitert….Scheinbare Therapieerfolge erklären sich, wie bei anderen „alternativmedizinischen“ Verfahren, durch den Placebo-Effekt sowie durch den natürlichen Krankheitsverlauf“

Der Fachbereich Humanmedizin der Universität Marburg nahm in einer öffentlichen Erklärung 1993 zu diesem Thema Stellung: „ Homöopathie hat nichts mit Naturheilkunde zu tun. Oft wird behauptet, der Homöopathie liege ein ‚anderes Denken‘ zugrunde. Dies mag so sein. Das geistige Fundament der Homöopathie besteht jedoch aus Irrtümern (Ähnlichkeitsregel, Arzneimittelbild, Potenzieren durch Verdünnen). Ihr Konzept ist es, diese Irrtümer als Wahrheit auszugeben. Ihr Wirkprinzip ist Täuschung des Patienten, verstärkt durch Selbsttäuschung des Behandlers.“

Auf den Punkt bringen es  die Skeptiker Rainer Wolf und Jürgen Windeler: “Homöopathie ist eine in sich geschlossene, irrationale, dogmatische, autoritäre Heilslehre, verbunden mit einem Personenkult, der keine Kritik zulässt. Entsprechend hat die Homöopathie seit ihrer Erfindung praktisch keine Fortschritte gemacht“.

Nachzulesen in „Die Psychoszene“ von Colin Goldner. Interessant und praktisch relevant erscheint uns die an gleicher Stelle von Colin Goldner in diesem Zusammenhang getroffene Aussage, über die vielleicht auch MdB`s nachdenken sollten: „ Die unbestreitbaren Erfolge der Homöopathie begründen sich in den ausgezeichneten Placeboeffekten, die mit ihr zu erzielen sind. Vor allem in der ausführlichen Anamnese erfährt der Patient ein Maß an Zuwendung, das allein, unabhängig von der Methode, schon Heilkräfte freisetzen kann; die gläubige Erwartungshaltung an eine „ganzheitliche“, „sanft“ oder „natürlich“ auftretende Heilkunde tut ein übriges.“

Darüber nachzudenken dürfte sinnvoller sein, als Kräfte der Politiker und Mittel der Beitrags- und Steuerzahler dafür zu verschwenden, die GKV-Versicherten in die Zeit vor der Aufklärung zurück zu beamen.

Außerdem dürfte eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Problematik auch den Krankenkassen manche Peinlichkeit ersparen, denn auch diese sind offensichtlich in Erklärungsnot.

In der Schweiz ist eine heftige Diskussion um den nach einer Volksinitiative in die Schweizerische Bundesverfassung aufgenommenen Artikel 118a BV entbrannt. Dieser Artikel 118 a, so frohlocken die „Homöopathischen Nachrichten“, verpflichtet dort Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin Sorge zu tragen und, so die Meinung der Herausgeber,  u.a. für die Aufnahme der Anthroposophischen Medizin, der Homöopathie, der Neuraltherapie, der Phytotherapie, der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in die obligatorische Krankenversicherung zu sorgen.

Noch ist es nicht soweit  Doch das Beispiel Schweiz zeigt deutlich, wie eine erfolgreich geführte Kampagne von Komplementärmedizinern, Therapeuten, Herstellern und Handel es schafft, dass sich der Patient selbst auf den Arm nimmt, in diesem Falle sogar gegen den erklärten Willen der fachlich und politisch verantwortungsbewusst agierenden.   

Auch wenn die Verhältnisse bei uns etwas anders gelagert sind als in der Schweiz, das Problem ist ähnlicher Natur. Hat man den Patienten erst einmal, bei uns mit Unterstützung der politisch agierenden dazu gebracht, sich selbst auf den Arm zu nehmen, wird er sich später damit schwer tun, sich seinen Irrtum wider besseren Wissens einzugestehen.

 

Nachtrag.:

- Ein bedenklicher Umgang mit der Wissenschaft ist aber nicht nur bei CDU/CSU und SPD zu finden. Auch die GRÜNEN kennen den aktuellen Stand der Wissenschaften nur vom hörensagen und tendieren schon fast traditonell eher zur Pseudowissenschaft.

- Beda Stadler in MIZ 2/10: "Falls Homöopathie wirken würde, gäbe es Globuli zur Schwangerschaftsverhütung"

 

(wr/dvpj)

weitere Informationen:

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Homöopathie - wo bleiben die Nobelpreise ?

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